Praxistest Grafikrechner

Casio fx-CG 20

Eignung

Die NRW-Anforderungen werden erfüllt, und der fx-CG 20 ist nach verhältnismäßig kurzer Einarbeitungszeit vielfach intuitiv bedienbar. Im Rechenmodus verhält er sich so, wie man es von aktuellen WTR (speziell den Casio-Modellen) gewöhnt ist. Auch die Anwendung als Funktionenplotter mit ergänzenden Berechnungen und Darstellungen gelingt weitgehend intuitiv und erfordert keine lange Einarbeitungszeit.

Fazit: Der fx-CG 20 setzt speziell im Hinblick auf die intuitive Bedienbarkeit und die Darstellung (Farbdisplay) hohe Maßstäbe und gehört darum zu den derzeit geeignetsten GTR für den schulischen Einsatz, allerdings zu einem dreistelligen Preis. Da sich Bedienung und Tasten­anordnung vom fx-9860 G II kaum unterscheiden, können beide Modelle im Unterricht gut neben­einander eingesetzt werden.

Hardware

Abmessungen: 90 x 196 mm
Display: 72 x 41 mm (384 x 216 px)
Gewicht: 295 g (mit Batterien)
Stromversorgung: 4x AAA (Akkus bedingt möglich)
Besonderheit: Farbdisplay (16-Bit Farbtiefe)

Der fx-CG 20 liegt gut in der Hand, die Verarbeitung macht einen hochwertigen Eindruck, die silberfarbene Einfassung und das großzügig verglaste Display wirken edel. Im Kontrast dazu steht allerdings der billige, halbtransparente Plastikdeckel, der nicht aufgeschoben, sondern geklemmt wird. Mein Geschmack ist das nicht, aber vielleicht auch nur eine Sache der Gewöhnung.
Der fx-CG 20 ist nach einigen Jahren der Farbabstinenz der erste GTR aus dem Hause Casio mit einem Farbdisplay, und das auf hohem Niveau. Das Display ist kontrastreich und sehr gut ablesbar. Durch die für derzeitige GTR hohe Auflösung ergibt sich ein erfreulich wenig pixeliges Schriftbild, und gezeichnete Graphen sind jetzt angenehm anzusehen. Die fest eingebaute, auch nicht in der Größe veränderliche Schriftart ist zwar aufgrund der Serifen ungewohnt für ein solches Display und wirkt etwas rustikal, ablesen lässt sie sich aber gut.
Auch bei der Tastatur geht Casio - bezogen auf die Modelle aus dem eigenen Haus - neue Wege. Die Ziffern- und Operatorentasten im unteren Drittel sind sehr groß und fast ohne Zwischenraum aneinandergereiht, die Tasten im mittleren Teil dagegen deutlich kleiner, abgerundet und etwas knubbelig. Der Tastendruck aller Tasten ist Casio-typisch weich, ohne spürbaren Druckpunkt. Abgesehen von der neuen Tastenform ist die Anordnung und Beschriftung der Tasten identisch mit der des fx-9860 G II.

Katastrophe: Bei dem getesteten Gerät fiel bereits nach weniger als einer Stunde Gesamtbetriebsdauer die Hintergrundbeleuchtung aus! Trotz Batteriewechsels und Reset-Knopf änderte sich daran nichts - der GTR ist defekt! Ohne Hintergrundbeleuchtung ist das Display so gut wie gar nicht ablesbar, der GTR damit unbenutzbar. Vielleicht ein Ausreißer, auf jeden Fall bedenklich.

Zubehör

Der Casio fx-CG 20 wird mit einer 14-seitigen deutschen "Schnellstartanleitung" geliefert, einem Rechner-Rechner- und einem Rechner-PC-Kabel sowie einer CD-ROM. Sie enthält ein gut 600 Seiten starkes PDF-Handbuch, eine Windows-Software für die Verbindung zum GTR und einige weitere Beigaben. Einen Emulator für den PC vertreibt Casio unter der Bezeichnung FX-CG20 MANAGER, im Handel zu Preisen von 80-100 Euro erhältlich, den ich allerdings nicht getestet habe.

Bedienkonzept

Das Bedienkonzept des fx-CG 20 ist grund­sätzlich identisch mit dem des fx-9860 G II: Er verhält sich im Rechenmodus wie ein WTR, die Eingabe von Brüchen ist in gewohnter Weise möglich, das Umschalten zwischen Bruch- und Dezimalbruch­darstellung funktioniert direkt mittels Taste [F↔D]. Auch komplexere Terme lassen sich mit Hilfe von Eingabemasken problemlos eingeben und werden in "natürlicher Darstellung" angezeigt. Anders als beim fx-9860 G II lassen sich gemischte Zahlen jetzt auch innerhalb von Wurzeln und Potenzen eingeben (siehe Abbildung).
Komfortabel und intuitiv ist ebenfalls die Möglichkeit, mittels Cursor-Tasten zu vorherigen Eingaben zurück zu gehen und diese zu editieren. Geht man weiter als eine Eingabe zurück, ist allerdings Vorsicht geboten, weil alle nachfolgend durchgeführten Rechnungen, deren Ergebnis vom Resultat der zu ändernden Zeile abhängen, automatisch neu berechnet werden. Unerwünschte Seiteneffekte sind das Ergebnis dieses eigenwilligen Verhaltens. Abhilfe schafft hier der Weg über die "Zwischenablage" mittels [CLIP] und [PASTE], bei dem dieser Effekt nicht auftritt.

Einen wesentlichen Beitrag zum guten Bedienkonzept liefert die zentrale [MENU]-Taste, mit der man jederzeit zu einem definierten Ausgangspunkt gelangt und von dort aus selbsterklärend und schnell in den jeweils gewünschten Bereich navigiert. Überwiegend gut gelungen ist auch die deutsche Benutzerführung, die zwar immer noch nicht zu 100% umgesetzt ist, aber immerhin doch konsequenter als beim fx-9860 G II.

Details

Beispiel 1: Die Abbildung zeigt den Graphen zum Term mit einge­zeichneter Tangente an der Stelle x=-1,5 und schattierter Ordinatenfläche im Intervall [-4,8; 2,5]. Sowohl Schattierung und Berechnung des Integrals als auch das Einzeichnen der Tangente funktionieren intuitiv über [G-Solv][∫dx] bzw. [Sketch][Tang]. Die für die Tangente und die Integration benötigten Stellen können entweder mit den Cursor-Tasten durch Abfahren des Graphen ausgewählt oder auch direkt eingegeben werden. Nach Drücken der [EXE]-Taste erscheint das gewünschte Resultat.
Was man allerdings am oberen Rand des Displays als Funktionsterm angeboten bekommt, ist peinlich! Keine Spur von "natürlicher Darstellung", sondern Rückfall in die alte Zeit der hässlichen a⌟b-Notation. Trotz diverser Detailsverbesserungen des fx-CG 20 gegenüber dem fx-9860 G II hat man diesen Punkt offensichtlich übersehen.

Beispiel 2: Die Berechnung des Integrals gelingt intuitiv über [MATH][∫dx]. Es öffnet sich eine selbsterklärende Ein­gabemaske, die zu befüllen ist. Auch die Betragsfunktion findet man schnell über [MATH][Abs], und nach Drücken von [EXE] und einigen Sekunden Wartezeit erhält man einen ziemlich genauen Näherungswert. Der Versuch, diesen in einen Bruch umzuwandeln - der exakte Wert des Integrals ist 23 ⅔ -, scheitert allerdings: Die [F↔D]-Taste zeigt keinerlei Wirkung. Offenbar ist der Wert trotz der bei der angezeigten Stellenzahl mit 23 ⅔ überein­stimmenden Dezimalbruchdarstellung zu ungenau.
Die Voreinstellung für die Fehlertoleranz beträgt laut Handbuch 10-5 und diese lässt sich nicht grundsätzlich ändern. Möglich ist es allerdings, bei einer konkreten Berechnung die Toleranz mit anzugeben - allerdings nicht im MathIO-Modus, der die natürliche Darstellung mitbringt! Das gleiche Dilemma wie beim TI-84 Plus und dem fx-9860 G II. Der Umstieg auf den unschönen LineIO-Modus ist für den Unterrichtseinsatz aber indiskutabel. Und im übrigen stellt sich selbst bei einer Toleranz von 10-12 das gewünschte Resultat 23 ⅔ nicht ein.

Beispiel 3: Wie der fx-9860 G II so bringt auch der fx-CG 20 einen gut gemachten Gleichungslöser mit, der unter anderem je einen Löser für LGS und einen für Polynomgleichungen beinhaltet. Beide haben eine gute Benutzer­führung und liefern Ergebnisse in natürlicher Darstellung. Gegenüber dem fx-9860 G II verbessert wurde die Rückmeldung bei nicht eindeutig lösbaren LGS. Statt einer Fehlermeldung erhält der Anwender die Meldung "Keine Lösung" bzw. "Unendlich viele Lösungen" - ein Fortschritt.
Will man im letzteren Fall eine Lösungsmenge (per Hand) bestimmen, genügt die Information des GTR allerdings nicht und man muss den umständlicheren Weg über Matrizen gehen: Im Rechenmodus wird über [▸MAT] zunächst eine 3x4-Matrix namens A angelegt und befüllt - das ist noch einfach. Nun kehrt man mit [EXIT][EXIT] in den Rechenmodus zurück und drückt [OPTN][MAT][▹][Rref][SHIFT][Mat][ALPHA][A][EXE]. Intuitiv ist das nicht! Erfreulich ist dann zumindest die Darstellung, denn die ist "natürlich".